Die Weisen

Als mein Mann und ich uns gerade erst ein paar wenige Tage kannten und bereits sehr mochten, kam er mich in meiner kleinen Stuttgarter Wohnung das erste Mal besuchen. Direkt vor meiner Wohnungstür war mein Fahrrad abgestellt, es gab nirgendwo einen anderen Platz im Haus, wo ich es hätte parken können. Nie werde ich seinen Blick vergessen, als er das Fahrrad zur Gesicht bekam: Extreme Erleichterung und Freude zeichneten sich ab „Klasse! Sie fährt gerne Fahrrad! Ein gemeinsames Hobby!“ muss er gedacht haben.

In den Jahren die folgten, waren wir dann tatsächlich an den Wochenenden öfters auf zwei Rädern unterwegs. Stuttgart, Tübingen, der Nordschwarzwald, der Bodensee. Radurlaube führten uns an der Donau entlang nach Wien, über die Alpen nach Italien oder wir begleiteten die Moldau und die Elbe von Prag bis nach Hamburg.

Wir liebten diese Form der Auszeit vom Alltag:

Kaum Ablenkungen. Nur die Konzentration auf Wege, Hunger, Durst, Übernachtungsmöglichkeiten und Muskeln, die wehtun. 

Wenig Gepäck. Gerade einmal zwei Taschen links und rechts am Rad. Absolute Beschränkung auf das Notwendige. 

Und Zeit. Stunden und noch mehr Stunden mitten in Sonne, Wind und Regen.

Vorbei an herrlichen Städten und Dörfern, von deren Existenz wir keine Ahnung hatten.

Mittlerweile haben wir zusätzlich die Langsamkeit entdeckt und gehen gerne wandern .

Lange und schwierige Strecken laufen wir schweigend. Das Wandern hält den Körper beschäftigt.

Andere Strecken reden wir gerne. Über uns, die Vegetation, Bücher, den Glauben.

Nebeneinander her zu gehen, tut dem Gespräch gut. Und überhaupt ist Wandern die Chance, ein Gespräch auch mal zu Ende zu führen.

Ich stelle mir die drei Weisen aus dem Morgenland als Wanderer vor.

Sie sind Menschen auf dem Weg. Sie tragen eine tiefe Sehnsucht in sich. Sie wollen Antworten auf ihre Fragen finden, die sie wirklich weiterführen.

Dafür nehmen sie viele Anstrengungen und Gefahren in Kauf. Sie sehen den hellen Stern am Himmel und machen sich auf den Weg.

Unterwegs zum König der Welt.

Die Weisen werden für uns zu weisen Ratgebern für das Leben.

Mit dem Körper nähert man sich Gott auf andere Weise als mit dem Intellekt. Der Glaube ist keine Idee und keine Lehre, die es zu befolgen gilt.

Glaube ist ein Tun. Unterwegssein. Ein Weg. Eine ErFAHRung.

Erst wenn man etwas tut, begreift man, warum man es tatsächlich sollte.

Ich wünsche dir, dass auch du nicht das Ziel deines Lebens aus dem Blick verlierst. 

Ich wünsche dir die Kraft, das zurückzulassen, das dich hindert auf dem Weg zu dir.

Gott ruft dich. Er stellt auch dir Sterne vor die Augen.

Er legt seine Hand auf deine Schulter, um dich zu stärken.

Vertraue dem Kind in der Krippe zusammen mit den Weisen deine Schätze an:

Bring ihm dein Vertrauen. 

Befiehl ihm dein Leben an.

Bei ihm bist du gut aufgehoben.

Möge Gott heute über dir den Stern seiner Wegweisung leuchten lassen.

Jesus Christus begrüße dich mit einem Lächeln.

Der Heilige Geist gebe dir Kraft zum Aufbrechen und Loslassen.

Amen

 

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